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Schweizer Stimmvolk lehnt Ausbau der Autobahnen ab

von Loginfo24 Redaktion
Es hatte sich in den letzten Tagen vor der Abstimmung abgezeichnet; das Schweizer Stimmvolk hat gestern Sonntag den Ausbau der Autobahnen mit rund 52 zu 48 Prozent abgelehnt. Eine Überraschung ist es trotzdem. Das hat auch Konsequenzen für den Güterverkehr in der Schweiz, der sich zu 83 % auf der Strasse abspielt. Nicht verwunderlich, dass auch der Schweiz. Nutzfahrzeugverband ASTAG diesen Entscheid bedauert.

(Bern) Das Schweizer Stimmvolk hat ein Zeichen gesetzt und den Ausbau der Nationalstrassen abgelehnt. Dabei ging es insgesamt um sechs Projekte, unter anderen auch ein Tunnel in der Region Basel unter dem Rhein hindurch, der vor allem die Stadt Basel und die Gemeinde Birsfelden (beides Orte mit Rheinhäfen) entlasten sollte. In den Feierabendstunden zwischen 16 bis 19 Uhr geht da teilweise in Richtung Norden nicht mehr viel. Diese Strecke ist auch eine bedeutende Achse im Nord-Süd-Verkehr zwischen Deutschland und Italien. Jetzt sind kreative Lösungen gefragt. Eine Möglichkeit könnte der Autobahübergang von der Schweizer A3 in die Deutsche A98 bei Rheinfelden sein. Hier muss nun der Druck erhöht werden, denn der abgelehnte Rheintunnel wäre nicht zuletzt auch dem Transitverkehr, der in einer grossen Zahl aus deutschen Pkw und Lkw, die von und Deutschland unterwegs sind, zugutegekommen.

Auch der ebenfalls zu den abgelehnten Projekten gehörende Ausbau des Tunnels unter Schaffhausen hindurch betrifft den Transitverkehr auf der Nord-Süd-Achse.

Auch der ASTAG bedauert das Nein

Natürlich bedauert auch der Schweiz. Nutzfahrzeugverband ASTAG das Nein zum Ausbau der Nationalstrassen. Im Güterverkehr wird damit die Zusammenarbeit aller Verkehrsträger massiv in Frage stellt. Für den innerschweizerischen Güterverkehr spielen alle sechs abgelehnten Projekte eine Rolle. Die grösste Sorge gilt der Versorgung und Entsorgung. Aufgrund der zahlreichen Kapazitätsengpässe wird der Gesamtgüterverkehr innert Kürze an Grenzen stossen.

Das heutige Abstimmungsresultat zum Ausbauschritt 2023 für die Nationalstrassen ist aus Sicht des Strassentransportgewerbes sehr gravierend. Der Schweizerische Nutzfahrzeugverband ASTAG anerkennt und respektiert den Volkswillen selbstverständlich, nimmt den knappen Nein-Entscheid aber mit Enttäuschung und vor allem mit grosser Sorge zur Kenntnis. Ständerat Thierry Burkart, Zentralpräsident der ASTAG, stört sich vor allem an der Falschaussage, dass die Benzinpreise gestiegen wären: «Erstens stimmt es nicht, und zweitens nehmen wir die Gegner gerne in Pflicht – dass sie sich zusammen mit uns gegen jegliche Verteuerung der Mobilität wehren!»

Die grössten Auswirkungen sind bei der Versorgung und Entsorgung zu erwarten. Im Binnenverkehr innerhalb der Schweiz werden 83 (!) Prozent aller Güter auf der Strasse transportiert; die Feinverteilung funktioniert somit hauptsächlich dank dem Lkw – ohne dass die Schiene mangels Bahnanschlüssen überhaupt eine Chance hätte, mehr Marktanteile zu gewinnen. 73 Prozent des Strassentransports wiederum finden via Nationalstrassen statt. Damit ist klar, dass die zunehmende Überlastung auf dem gesamten Netz zu enormen Problemen führt.

Mittlerweile 49’000 Staustunden pro Jahr

Bei mittlerweile rund 49’000 Staustunden pro Jahr kommen Transporte zu spät oder gar nicht ans Ziel und braucht es immer mehr Fahrzeuge für dasselbe Auftragsvolumen. Die ASTAG befürchtet deshalb, dass der Gesamtgüterverkehr auf Schiene und Strasse innert Kürze an Kapazitätsgrenzen stösst. «Unsere Branche wird weiter an tragfähigen, realistischen Lösungen arbeiten», sagt Thierry Burkart: «Vorschläge erwarten wir aber auch von jenen Kreisen, die für ein Nein geworben haben.»

Foto: © Loginfo24

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