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01.05.2026 um 15:18 UhrDie internationale Schifffahrt spielt eine entscheidende Rolle für die Wirtschaft und die Versorgung Deutschlands. Rund 90 % des weltweiten Handels und etwa zwei Drittel des deutschen Außenhandels werden über den Seeweg abgewickelt. In Krisenzeiten ist die Schifffahrt zudem für den Transport von militärischer Ausrüstung und Hilfsgütern von zentraler Bedeutung. Vor diesem Hintergrund diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Arbeitnehmerseite beim Branchenforum des Verbands Deutscher Reeder (VDR) im Rahmen der Nationalen Maritimen Konferenz (NMK) in Emden über die Stärkung der maritimen Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten geopolitischer Spannungen.
Stärkung der maritimen Infrastruktur
Gaby Bornheim, Präsidentin des VDR, betonte die Notwendigkeit einer starken Handelsflotte und wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen, um die Versorgungssicherheit Deutschlands zu gewährleisten. „Der Einsatz für eine sichere und freie Schifffahrt ist für Deutschland unerlässlich. Unsere Wirtschaft und unsere Versorgung hängen maßgeblich von funktionierenden maritimen Lieferketten ab“, so Bornheim. Um die Resilienz der Schifffahrt zu erhöhen, sei eine größere nationale Personalbasis erforderlich. Die Zahl der Neueinsteiger in die Seefahrt ist 2023 bereits auf 537 gestiegen, was einem Anstieg von knapp 30 % entspricht und den höchsten Stand seit über zehn Jahren darstellt. Der VDR schlägt vor, einen freiwilligen Seedienst im Rahmen des neuen Wehrdienstes einzuführen, um jungen Menschen den Einstieg in die Schifffahrt zu erleichtern und eine zivile maritime Reserve aufzubauen.
Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, wies darauf hin, dass die Bundesregierung gezielt die Resilienz maritimer Lieferketten stärkt und in die Ausbildung des maritimen Nachwuchses investiert. „Leistungsfähige Häfen, moderne Wasserstraßen und eine verlässliche maritime Infrastruktur stehen im engen Zusammenhang mit wirtschaftlicher Stabilität, Sicherheit und strategischer Handlungsfähigkeit“, erklärte Hirte.
Maritime Resilienz als Standortpolitik
Melanie Leonhard, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg, unterstrich die Bedeutung des Hamburger Hafens für die Schifffahrt, insbesondere in Krisenzeiten. Sie betonte, dass maritime Resilienz konkrete Standortpolitik sei, die dazu beitrage, Lieferketten stabil zu halten und damit Wohlstand und Stabilität in Deutschland zu sichern. Rolf Habben Jansen, CEO von Hapag-Lloyd, ergänzte, dass die Schifffahrt heute stärker denn je im Spannungsfeld geopolitischer Entwicklungen stehe. Eine starke Handelsflotte und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen seien entscheidend für die wirtschaftliche Stabilität und Versorgungssicherheit in Deutschland und Europa.
Uwe Schmidt, Mitglied des Deutschen Bundestags, hob hervor, dass Investitionen in die Ausbildung nautischen Personals entscheidend für die Sicherheit seien. Vorschläge wie ein freiwilliger Seedienst könnten helfen, die personelle Tiefe zu schaffen, die für eine verlässliche Schifffahrt notwendig ist. Dennis Dacke, Bundesfachgruppenleiter Luftverkehr und Maritime Wirtschaft bei ver.di, betonte, dass ohne gute Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung keine resiliente Schifffahrt möglich sei. Er forderte verbindliche Mindeststandards für Arbeits- und Ruhezeiten an Bord sowie eine konsequente Kontrolle der Flaggenstaaten.
Kapitän Sebastian Dießner, Präsident des Verbands Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (VDKS), wies darauf hin, dass eine langfristige berufliche Perspektive für Fachkräfte notwendig sei, um die Expertise in der Schifffahrt zu sichern.
Die Diskussion verdeutlichte, dass die Schifffahrt weit über ihre wirtschaftliche Bedeutung hinausgeht und ein zentraler Bestandteil der sicherheitspolitischen Infrastruktur Deutschlands und Europas ist. Angriffe auf Handelsschiffe und hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe erhöhen die Risiken für die Branche erheblich.
Fazit und Ausblick
Abschließend betonte Christoph Ploß, Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, die essenzielle Rolle einer starken maritimen Wirtschaft für Deutschland. Die Bundesregierung arbeite daran, die Wettbewerbsfähigkeit der Reedereien zu stärken, unter anderem durch die Ausweitung der Tonnagesteuer. Die Nationale Maritime Konferenz (NMK) fungiert als zentrales Dialogformat der Bundesregierung mit der maritimen Branche und bringt regelmäßig Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften zusammen, um strategische Weichen für die Zukunft der maritimen Wirtschaft zu stellen.




