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21.05.2026 um 11:25 UhrDer öffentliche Straßenraum stellt für viele Menschen nicht nur einen Verkehrsraum dar, sondern auch einen Arbeitsplatz, der jährlich zahlreiche Unfallopfer fordert. Jann Fehlauer, Geschäftsführer der DEKRA Automobil GmbH, betonte bei der Vorstellung des DEKRA Verkehrssicherheitsreports 2026 in Berlin die Notwendigkeit, die Ursachen von Unfällen zu analysieren und Maßnahmen zur Vermeidung oder Minderung ihrer Folgen zu entwickeln. Der Bericht, der bereits in seiner 19. Auflage erscheint, untersucht die Herausforderungen und Risiken, die mit dem „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ verbunden sind, aus verschiedenen Perspektiven wie Unfallanalytik, Verkehrspsychologie und Fahrzeugtechnik.
Vielfältige Herausforderungen für Berufskraftfahrer
Berufskraftfahrerinnen und -fahrer legen jährlich oft über 100.000 Kilometer zurück, während sie wichtige Waren transportieren. Auch Beschäftigte im Straßenbau sowie Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten sind regelmäßig im Straßenverkehr tätig und sehen sich unvorhersehbaren Situationen ausgesetzt. Diese Beispiele verdeutlichen die Risiken, die mit dem Arbeitsplatz Straßenverkehr verbunden sind, wo viele Menschen bei Verkehrsunfällen schwer verletzt oder getötet werden.
Fehlauer wies darauf hin, dass verschiedene schwer kalkulierbare Faktoren zu diesen Unfällen beitragen. Ungünstige Witterungsbedingungen, hohes Verkehrsaufkommen und das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmender können jederzeit kritische Situationen hervorrufen. Zudem führen Zeitdruck, unregelmäßige Arbeitszeiten und hohe Leistungsanforderungen zu Stress und Ermüdung, was als einer der wichtigsten Risikofaktoren im Straßenverkehr gilt. Studien zeigen, dass das Unfallrisiko bei Schlafmangel um das Achtfache ansteigt. Fehlauer empfahl die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten sowie gezielte Gesundheitsförderung zur Reduzierung von Übermüdung und Stress.
Komplexität und Ablenkung im Verkehr
Ein weiterer Risikofaktor ist die Komplexität moderner Verkehrssysteme. Die Digitalisierung verändert die Arbeitsprozesse grundlegend. Während Technologien wie Navigationssysteme und automatisierte Fahrfunktionen viele Aufgaben erleichtern, erhöhen sie auch die Anforderungen an die Fahrer. Diese müssen gleichzeitig mehrere Informationsquellen verarbeiten und Entscheidungen treffen, was zu Ablenkung führen kann.
Ein zentrales Problem ist die eingeschränkte Sichtbarkeit der tatsächlichen Risiken im Straßenverkehr. Viele statistische Systeme unterscheiden nicht zwischen privaten und beruflichen Fahrten, was die Dokumentation von Unfällen erschwert. Fehlauer betonte, dass nur durch eine umfassende Sichtbarkeit der Risiken langfristig wirksame Maßnahmen zur Unfallverhütung entwickelt werden können.
Fahrversuche und Umfragen zur Verkehrssicherheit
Für den aktuellen Verkehrssicherheitsreport führte DEKRA umfangreiche Fahrversuche und Crashtests durch, um die Reaktionen von Fahrzeugen und Assistenzsystemen in kritischen Situationen zu untersuchen. Tests zur Wirksamkeit von C-ITS-basierten Nahbereichswarnungen, die eine drahtlose Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur ermöglichen, lieferten wichtige Erkenntnisse für Sicherheitsstandards.
Zusätzlich wurde eine Umfrage unter Berufskraftfahrern zur Parkplatzsituation durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass fast zwei Drittel der Befragten regelmäßig an gefährlichen Orten parken müssen, um ihre Ruhezeiten einzuhalten. Über die Hälfte der Fahrer legt auf der Suche nach einem Parkplatz mehr als 20 zusätzliche Kilometer zurück, was das Unfallrisiko erhöht.
Umfassende Betrachtung der Verkehrssicherheit
Fehlauer betonte, dass der „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ nicht isoliert betrachtet werden kann. Es sei ein Zusammenspiel aus Infrastruktur, Technik, Organisation und individuellem Verhalten erforderlich. Die Fokussierung auf technische Lösungen allein reiche nicht aus, wenn Rahmenbedingungen und menschliche Faktoren unberücksichtigt blieben. Diese umfassende Betrachtung sei entscheidend für den Arbeitsschutz und die nachhaltige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft.
Kristian Schmidt, Europäischer Koordinator für Straßenverkehrssicherheit, wies darauf hin, dass Investitionen in sichere Parkplätze und klare Verkehrszeichen systematisch die Gefahren für Fahrer und Beschäftigte verringern können. Patrick Schnieder, Bundesverkehrsminister, betonte in seinem Grußwort die Bedeutung von Rücksichtnahme und Verantwortungsbewusstsein im Straßenverkehr. Initiativen wie „Runter vom Gas“ und „#mehr Achtung“ sollen auf die besonderen Gefahren des Arbeitsplatzes Straße aufmerksam machen.
Antonio Avenoso, Geschäftsführer des Europäischen Verkehrssicherheitsrats, erklärte, dass die Verkehrssicherheit am Arbeitsplatz für das europäische Ziel der „Vision Zero“ von zentraler Bedeutung sei. Die Anerkennung der Verkehrssicherheit als gemeinsame Verantwortung von Behörden, Arbeitgebern und Einzelpersonen sei entscheidend für den Aufbau einer Präventionskultur im Straßenverkehr.
Der DEKRA Verkehrssicherheitsreport 2026 „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ steht online unter www.dekra-roadsafety.com zum Download zur Verfügung.
Zehn DEKRA Forderungen für mehr Verkehrssicherheit
- Konsequenter Schutz von Arbeitsstellen im Straßenraum
- Vollständige und differenzierte Erfassung arbeitsbezogener Verkehrsunfälle
- Nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Transportwesen
- Systematische Reduktion der Risiken bei Einsatzfahrten
- Konsequente Überwachung der Vorschriften zur Ladungssicherung
- Einhaltung und Weiterentwicklung der Gefahrgutvorschriften
- Strenge Kontrolle und Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten
- Ausbau sicherer, beleuchteter und überwachter Lkw-Parkplätze
- Verbindliche Einführung von Gesundheitsförderprogrammen für Berufskraftfahrende
- Hochautomatisiertes Fahren nur unter klar definierten Sicherheitsbedingungen



