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23.02.2026 um 09:47 Uhr
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23.02.2026 um 16:08 UhrEin mittelständischer Schweizer Fulfillment-Dienstleister zeigt, wie man in kurzer Zeit ein altes Industrieareal in ein hochmodernes, KI-gesteuertes Logistikzentrum verwandelt. Sechs Monate. Mehr Zeit brauchte MS Direct nicht, um eines der schnellsten AutoStore-Projekte Europas zu realisieren. Weitere drei Monate später war der erste KI-gesteuerte Pick-Roboter im Einsatz.
Sechs Monate. Mehr Zeit brauchte MS Direct nicht, um eines der schnellsten Auto-Store-Projekte Europas zu realisieren. Weitere drei Monate später war der erste KI-gesteuerte Pick-Roboter im Einsatz.
Heute, nur knapp drei Jahre nach dem Start der Transformation, wickelt MS Direct in Arbon bis zu 20’000 Bestellungen täglich ab. Durch pragmatisches Vorgehen, Tech-Kompetenz und allem voran einem top motivierten Team konnte das möglich gemacht werden.
Von der Vision zur Realität
MS Direct ist ein führender E-Commerce Logistik-Dienstleister mit Sitz in der Schweiz und Deutschland. Das Portfolio umfasst smarte Lösungen rund um die Bereiche Fulfillment und Cross-border Versand für Onlineshops. MS Direct kümmert sich um die komplette Bestellabwicklung von Onlinehändlern, von der Lagerhaltung, dem Pick & Pack-Prozess bis hin zum Versand und der Retourenverarbeitung.
Um die Effizienz stetig zu steigern, Kundenabforderungen noch besser zu bedienen und die starke Position im wettbewerbsintensiven Markt weiter auszubauen, setzt MS Direct auf Automatisierung und Technologie Kompetenz. Die erklärte Vision: führender
Tech-Player der europäischen E-Commerce-Logistikbranche werden.
Nach nur knapp drei Jahren ist MS Direct diesem Ziel schon einen grossen Schritt nähergekommen. Mit der Einmietung in einem 40 Jahre alten Industrieareal in Arbon – einem klassischen Brownfield – legte der Dienstleister den Grundstein für seine technologische Zukunft.
Den Wandel aktiv gestalten
Der technologische Wandel bei MS Direct ist auch eine Antwort auf die vielschichtigen Herausforderungen der Branche. Da ist zum einen der Fachkräftemangel: Gemäss einer HSG Marktstudie aus dem Jahr 2024 werden in der Schweizer Logistikbranche bis 2032 rund 80’000 Arbeitskräfte fehlen. Gleichzeitig herrscht intensiver Verdrängungswettbewerb, bei dem Service Level Agreements und hohe Kundenzufriedenheit längst zwingende Voraussetzungen statt Differenzierungsmerkmale sind.
Hinzu kommen gestiegene Kundenanforderungen: Gemäss E-Commerce Stimmungsbarometer 2025 der Schweizer Post erwarten 68 Prozent eine Online-Sendungsverfolgung, 97 Prozent einen einfach verständlichen Retourenprozess und 88 Prozent eine schnelle Rückerstattung. Next-Day-Delivery wird von 38 Prozent und Same-Day-Delivery von 16 Prozent gefordert.
Beim Thema Nachhaltigkeit fordern 72 Prozent weniger Verpackungsmüll. Darüber hinaus hat sich MS Direct als Mitglied der Science Based Targets Initiative (SBTi) selbst klaren Klimazielen zur Emissionsreduktion bis 2030 verpflichtet.
Die grösste Herausforderung für MS Direct selbst: Die Unternehmens-Transformation verlangte umfassendes Change Management. Technologie ist nur so stark wie die Menschen, die sie vorantreiben. Die Mitarbeitenden wurden frühzeitig einbezogen, um eine innovationsgetriebene Kultur zu etablieren.
Das Logistikcenter von MS Direct in Arbon
Klein anfangen, schnell lernen, gezielt skalieren
Statt auf einen starren Masterplan setzte MS Direct auf einen agilen Ansatz: Klein anfangen, schnell lernen, gezielt skalieren. So wurden zuerst die eigenen Prozesse analysiert und ermittelt, wo mit Automatisierung der grösste Nutzen erzielt werden kann. Mit Fokus auf das jeweils grösste Potenzial testete MS Direct unterschiedliche Technologien und automatisierte so ihre Prozesse Schritt für Schritt.
Gleichzeitig setzt MS Direct bei der Entwicklung von Steuerungslösungen auf Citizen Development. Dafür hat das Unternehmen ein eigenes Digital Service Team, welches unter anderem mittels Low-Code eigene Software baut. Damit macht sich MS Direct unabhängig von teuren Software-Dienstleistern und profitiert von maximaler Agilität.
Mit dieser Herangehensweise machte MS Direct in rasantem Tempo Fortschritte. Zunächst wurden Kernprozesse wie die Lagerhaltung automatisiert, dann angrenzende Abläufe wie das Picking und schliesslich wurden die einzelnen Stationen mit intelligenter Fördertechnologie verbunden. Und das alles wird im Hintergrund von selbst entwickelter Software gesteuert.
Vom Roboter bis zur KI: Ein integrierter Technologieansatz
Die Liste der realisierten Projekte ist beeindruckend. Im Zentrum steht das in 2023 realisierte AutoStore-System. 79 Roboter bewegen hier heute rund 60’000 Behälter in einem hochverdichteten Kleinteillager, das die vierfache Kapazität auf derselben Fläche ermöglicht – ohne dabei Licht, Heizung oder Klimatisierung zu benötigen.
In der Retouren-Operation nahm im selben Jahr eine dreistöckige, 1,4 Kilometer lange Förderanlage den Betrieb auf. Diese spart Handlingfläche und beschleunigt die Rückabwicklung retournierter Artikel.
Nur ein Jahr später folgte eine voll automatisierte Verpackungsmaschine, die massgeschneiderten Kartonagen produziert – bis zu 600 Stück pro Stunde. Das On-demand-Packaging reduziert Kartonmaterial, macht Stopfmaterial überflüssig und minimiert Transportvolumina. Das alles führt wiederum zu einer besseren CO2-Bilanz.
Im Herbst 2024 wurde ein Port des AutoStore mit einem KI-gesteuerter Pick-Roboter ausgerüstet, welcher direkt ins Warehouse Management System von MS Direct integriert ist. Ausgestattet mit Computer Vision und Zero Shot Learning kann der Roboter-Arm über eine Kamera Gegenstände in Behältern visuell erkennen und so zielgerichtet greifen – ohne dass er angelernt werden musste. Beeindruckend: Der Roboter schafft bis zu 2’900 Picks täglich bei einer Erfolgsquote von 98 Prozent.
Auch im aktuellen Jahr war bei MS Direct viel los: Im Sommer wurde der AutoStore grossflächig ausgebaut und seine Kapazität verdoppelt. Seit neuestem verbindet eine dynamisch gesteuerte Förderanlage das System direkt mit den Packstationen und ein Autonomer Mobiler Roboter (AMR) liefert den Warennachschub.
Die Hardware wird ergänzt durch die inhouse entwickelten digitalen Steuerungsinstrumente und mit einem KI-gestützten Forecasting-System, das Auftragsvolumen und Warenflüsse berechnet und eine präzisere Personalplanung ermöglicht.
Messbare Vorteile für alle Beteiligten
Die Investitionen zahlen sich aus. Für die Onlineshops ist der grösste Mehrwert die verlängerte Cut-off-Zeit. Dank der kürzeren Durchlaufzeiten können sie ihren Endkunden nun Bestellfristen bis 20:00 Uhr anbieten. Darüber hinaus führen die zahlreichen Automatisierungen zu einer reduzierten Fehlerquote im Pick und optimierten Versänden durch das Einsparen von Material und Porto-Kosten. Dank KI-gestützter Prognosen kann MS Direct heute zudem eine noch stabilere Personalplanung gewährleisten.
Auch Endkunden profitieren direkt: Sie haben längere Bestellzeiten und erhalten am nächsten Tag ihr Paket. Da beim Versand weniger Füllmaterial benötigt wird, zahlt das auch auf das Unboxing-Erlebnis ein – ein Aspekt, der für drei von vier Kunden wichtig ist.
Innovation geht auch im Mittelstand
Wie finanziert ein mittelständisches Unternehmen eine solche Transformation? MS Direct setzt auf flexible Beschaffungsmodelle statt auf enorme Budgets. Innovative Technologien werden durch Mietmodelle oder Pilotprojekte getestet, bevor grosse Investitionen fliessen. Das erlaubt agile Evaluierung und gezielte Skalierung.
Der iterative Ansatz reduziert das Risiko erheblich. Statt alles auf eine Karte zu setzen, entwickelt MS Direct die Automatisierung Schritt für Schritt weiter.
Der nächste Schritt
MS Direct arbeitet weiterhin ohne starren Masterplan. Der Fokus liegt auf kontinuierlicher Weiterentwicklung der implementierten Technologien. Ein wichtiger Baustein ist der Digital Warehouse Twin – ein digitaler Zwilling des Lagers in Arbon. Dieser bildet sämtliche Prozesse, Warenflüsse und Systeminteraktionen virtuell ab und ermöglicht Simulationen unterschiedlicher Szenarien, bevor sie in der Realität umgesetzt werden. Der digitale Zwilling ist somit das optimale Testfeld für neue Technologien.
Auch bei den Anlagen hat MS Direct ambitionierte Pläne: 2026 gehen zusätzliche KI-gesteuerte Pick-Roboter in Betrieb, weitere AMR und AGV sollen den internen Warenfluss weiter automatisieren und die KI-basierte Personalplanung soll stetig dazulernen. Parallel dazu werden angrenzende Abläufe verstärkt durch Fördertechnik verbunden. Und nicht zuletzt soll Computer Vision zur Unterstützung der Kernprozesse verstärkt eingesetzt werden.
MS Direct zeigt eindrücklich, dass umfassende Logistik-Automatisierung kein Privileg der Grossen ist. Mit der richtigen Methodik, mutigen Entscheidungen und einer Kultur, die Flexibilität und Lernen fördert, können auch mittelständische Unternehmen den Sprung zum Tech-Player schaffen.
Die Transformation ist damit nicht nur eine Erfolgsgeschichte aus der Schweizer Logistikbranche, sondern Vorbild für alle, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.






