Letzte Woche am 25. November trafen sich die Logistikexpertinnen und Experten zum Swiss Logistics Innovation Day in Zofingen. Rund um das Thema „Autonome Logistik durch Vernetzung“ präsentierte der Verein Netzwerk Logistik Schweiz (VNL) im Swiss Logistics Campus einen dicht gefüllten Innovationstag, an dem Digitalisierung, Automatisierung und datenbasierte Planung im Mittelpunkt standen.
(Zofingen) Das breite Spektrum an Referaten zeigte am Swiss Logistics Innovation Day des VNL Schweiz in Zofingen eindrücklich, wie rasant sich Technologie und Wertschöpfungsnetzwerke verändern – und wie stark die Branche nach interoperablen, sicheren und nachhaltigen Lösungen verlangt.
Autonome Logistik: von der Vision in Richtung Betrieb
Gleich zu Beginn setzte die Keynote von Anna Chirkova (AMAG Innovation & Venture LAB) ein klares Zeichen: autonome Gütertransporte werden Realität. Die Schweiz verfügt seit März 2025 über einen stabilen Rechtsrahmen für automatisiertes Fahren, die sogenannte VAF-Verordnung. Dies eröffnet neue Möglichkeiten für Projekte von Drohnen über urbane RoboVans bis hin zu langfristigen Hub-to-Hub-Transporten. Erste Fahrzeuge sollen ab 2026/27 typgenehmigt verfügbar sein. Besonders betont wurde, dass nicht die autonome Fahrzeugtechnik das Hauptproblem sei – sondern die Transformation der bestehenden Logistikprozesse, insbesondere an Be- und Entladestellen.
Die Szenarien zeigten, dass automatisierte Flotten Prozesse stabilisieren, Verfügbarkeit steigern und langfristig CO₂-neutral operieren können. Auch der Fahrermangel, der sich laut Prognosen dramatisch verschärfen wird, könnte so abgefedert werden. Gleichzeitig verdeutlichte die AMAG anhand von Pilotprojekten die enormen Potenziale, aber auch die notwendigen Anpassungen in Organisation, Planung und Infrastruktur.
Digitale Zwillinge: Entscheidungsqualität statt Bauchgefühl
In der zweiten Keynote zeigte Roland Michaely (Dassault Systèmes), wie digitale Zwillinge in Transportnetzwerken, Lagern oder Produktionsumgebungen zu schnelleren Entscheidungen und sichereren Abläufen führen. Fragmentierte IT-Landschaften und Datensilos seien nach wie vor die grössten Hindernisse. Digitale Zwillinge schaffen hingegen eine „virtuelle Sandbox“, in der Unternehmen Szenarien simulieren, Risiken abfedern und CO₂-optimierte Netzwerke planen können.
Interoperabilität, Datenflüsse und Planungsintelligenz
Der anschliessende Impulsblock setzte die Schwerpunkte weiter in Richtung Vernetzung, Datenmanagement und Automatisierung:
Oliver Gaede (OGIL) zeigte, dass in der Schweiz über 120 TMS-Systeme im Einsatz sind – und die Zahl der Schnittstellen dadurch in die Tausende geht. Ein erheblicher Effizienzverlust entsteht allein durch fehlende Datendurchlässigkeit. Schon zehn Sekunden Effizienzgewinn pro Auftrag könnten laut seinen Berechnungen bis zu CHF 10 Mio. jährlich einsparen.
Dr. Alexander Souza (Algomia) präsentierte einen anderen Blick auf Optimierung: die vollautomatisierte Planung von Crew- und Ressourceneinsatz mittels mathematischer Modelle. Algomia setzte dies bereits schweizweit im Bahnverkehr um – mit Milliarden Variablen in den Modellen und enormen Effizienzgewinnen. Planung, die früher Monate dauerte, lässt sich nun in wenigen Tagen oder Minuten ausführen, inklusive strategischer Simulationen und Szenarienbildung.
Erik Fischer (BITO) zeigte mit dem Konzept „Internet of Bins“, wie Mehrwegbehälter zu intelligenten, vernetzten Knotenpunkten werden. Smart Labels mit E-Ink-Displays und Sensorik ermöglichen Echtzeit-Tracking, Pick-by-Light, papierlose Abläufe und automatisierte Nachschubsignale. Damit schliesst sich die Lücke zwischen Warenfluss und Informationsfluss – ein zentraler Schritt zur autonomen Supply Chain.

Herbert Ruile (rechts), Präsident Verein Netzerk Logistik (VNL) im Gespräch mit dem Keynote Speaker Roland Michaely, Sales Director Switzerland, Dassault Systèmes
Intermodale Zukunft, komplexe Lieferketten und schnelles Kommissionieren
Mit Blick auf die grossen Verkehrsströme zwischen der Schweiz, Italien und Europa zeigten Gianpiero Mattei und Matteo Salani (SUPSI), wie sich Logistiknetzwerke von statischen, linearen Strukturen hin zu hypervernetzten, KI-gestützten Ökosystemen entwickeln. Im Fokus stand das Projekt SWITCH, das Werkzeuge und Plattformen für synchromodale, dynamische Transportplanung bereitstellen soll – inklusive digitaler Zwillinge und KI-basierter Routing-Algorithmen. Ziel ist ein offenes, flexibles „Physical Internet“ für die Region.
Markus Ly (Westernacher), skizzierte die zunehmende Komplexität globaler Wertschöpfungsketten. Personal-, Maschinen- und Transportengpässe treffen auf volatile Nachfrage, geopolitische Risiken und finanzielle Zielkonflikte. Integrative Planungsansätze – etwa mittels SAP IBP – synchronisieren taktische, operative und finanzielle Elemente der Supply Chain. Das Ziel: transparenter, agiler und widerstandsfähiger zu planen und datenbasierte Entscheidungen über die gesamte Organisation hinweg zu ermöglichen.
Den Abschluss des Impulsblockes bildete Dr. Josef Haid, Gründer und CEO der Pick&Ship Technology AG zum Thema: «Robotik trifft Lieferkette – Automatisieren mit mobilen Robotern, smarten Containern und KI». Die Teilnehmer konnten das auch gleich in der Praxis anschauen, denn ein Mitarbeiter zeigte gleich in der Praxis, wie einfach die Kommissionierung mit Pick&Ship funktionieren kann.
Ein Tag im Zeichen der Vernetzung
Am Nachmittag bildet sich 4 Teams mit je zwei Themen zu Workshops, welche Inputs zum Tagesthema gaben. In Brainstormings wurde Thesen herausgearbeitet und anschliessend den anderen Teilnehmern vorstellt.
Der Swiss Logistics Innovation Day 2025 zeigte eindrucksvoll, wie tief die Schweizer Logistik bereits in Themen wie autonome Systeme, digitale Zwillinge, IoT-Infrastrukturen und KI-basierte Optimierung eingestiegen ist. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Schritt in die vernetzte, automatisierte Logistik von morgen nicht nur Technologie benötigt, sondern vor allem harmonisierte Datenmodelle, interoperable Systeme und gemeinsames Handeln.
Fotos: © Loginfo24 / Bildlegende: Anna Chirkova,



