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23.03.2026 um 11:21 UhrGeopolitische Spannungen stellen derzeit eine erhebliche Herausforderung für die internationale Handelsschifffahrt dar. Insbesondere die Lage im Persischen Golf hat sich seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar verschärft. Aktuell sind mehr als 2.000 Handelsschiffe mit rund 20.000 Seeleuten in der Region blockiert, darunter mindestens 50 Schiffe von deutschen Reedereien. Der einzige sichere Ausweg aus dem Golf führt durch die Straße von Hormus, die momentan als unsicher gilt. Berichten zufolge wurden bereits rund 20 Handelsschiffe angegriffen, was zu Verletzten und Todesfällen unter den Seeleuten führte.
„Der Iran-Krieg verdeutlicht die enge Verknüpfung zwischen geopolitischen Konflikten und globalen Lieferketten“, erklärte Gaby Bornheim, Präsidentin des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), während der Jahrespressekonferenz in Hamburg. Sie betonte die strategische Bedeutung des Schutzes der Handelsschifffahrt für Deutschland, insbesondere als Exportnation, und richtete ihre Gedanken an die Seeleute, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten. Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des VDR, ergänzte, dass die Bundesregierung in dieser kritischen Lage sorgfältig mögliche Maßnahmen abwägen müsse, um die Sicherheit der Seehandelswege und der Besatzungen zu gewährleisten.
Deutschlands Handelsflotte im internationalen Vergleich
Die deutsche Handelsflotte bleibt eine der größten weltweit und umfasst derzeit 1.716 Schiffe mit einer Bruttoraumzahl (BRZ) von 46,7 Millionen. Damit belegt Deutschland den siebten Platz im internationalen Vergleich, hinter Ländern wie Griechenland und China. Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg der deutschen Containerflotte, die mit 30,4 Millionen BRZ nun den zweiten Platz weltweit einnimmt und China mit 30,2 Millionen BRZ überholt hat. Nur die Schweiz liegt mit 41,2 Millionen BRZ noch vor Deutschland.
Kröger bezeichnete die Handelsflotte als „strategischen Schatz“, der nicht nur die Versorgung von Wirtschaft und Bevölkerung sicherstellt, sondern auch militärische und humanitäre Einsätze im Bedarfsfall ermöglicht.
Vorschlag zur Stärkung der maritimen Kompetenz
Um die Einsatzfähigkeit der Handelsflotte in Krisensituationen zu gewährleisten, schlägt der VDR die Einführung eines Seedienstes im Rahmen des neuen Wehrdienstes vor. Dieser Seedienst soll dazu beitragen, eine zivile maritime Reserve aufzubauen, deren Mitglieder im Ernstfall zur Aufrechterhaltung der seeseitigen Versorgung beitragen können. Gleichzeitig bietet der Seedienst jungen Menschen die Möglichkeit, praktische Erfahrungen an Bord zu sammeln und Ausbildungsinhalte zu erwerben, die bei einer späteren Berufsausbildung angerechnet werden können.
Kröger betonte die Notwendigkeit einer größeren nationalen Personalbasis, um auf Krisensituationen vorbereitet zu sein. Der Seedienst könnte auch als zivile Alternative zum Wehrdienst dienen, sollte dieser wieder verpflichtend werden. Der VDR spricht sich zudem dafür aus, an bewährte Praktiken anzuknüpfen, die bis zur Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 2011 galten, als aktive Seeleute aufgrund ihrer Unabkömmlichkeit vom Wehrdienst zurückgestellt werden konnten.
Positive Entwicklung der Nachwuchszahlen in der Schifffahrt
Die Branche verzeichnet zudem einen Anstieg bei den Neueinsteigern. Im Jahr 2023 stieg die Zahl der Neueinsteiger auf See von 418 auf 537, was einem Plus von knapp 30 Prozent entspricht und den höchsten Wert seit 2012 darstellt. Besonders in den nautischen und technischen Offizierslaufbahnen sowie in der Ausbildung zum Schiffsmechaniker zeigt sich ein starkes Interesse.
„Die positiven Entwicklungen bei den Nachwuchszahlen sind ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft unseres maritimen Standorts“, sagte Bornheim. Diese Entwicklung verdeutlicht, dass immer mehr junge Menschen die Chancen in der Schifffahrt erkennen und ergreifen.




